Pinke Sohle auf der Kohle

Bergbau in Bockum-Hövel

Die Geschichte des Bergbaus in Bockum-Hövel

Die Zeche Radbod wurde 1905 mit den Schächten 1 und 2 im südlichen Teil Hövels direkt nördlich der Lippe abgeteuft. Die erste Steinkohleförderung erfolgte planmäßig im Oktober 1907. Zu diesem Zeitpunkt arbeiteten dort fast 700 Bergleute.  1907/08 wurden die Fördergerüste 1 und 2 in Fachwerkbauweise fertiggestellt. Die gegenüberliegenden Maschinenhäuser beeindrucken mit ihren Fassaden und im Inneren mit zwei Zwillingstandemdampffördermaschinen. Der später entstandene Schacht 5 zeigt die Weiterentwicklung ab etwa 1930 zu den Vollwandstrebengerüsten. Das dazugehörige Maschinenhaus ist wesentlich schlichter ausgeführt. Auch hier ist noch eine Fördermaschine zu sehen. Dieses Dreier-Ensemble ist bis heute erhalten geblieben und stellt selbst im Ruhrgebiet eine Seltenheit dar. Bockum-Hövel verfügt damit über eine ganz besondere Sehenswürdigkeit!

Radbod hat 1908 traurige Berühmtheit erhalten. Dort ereignete sich eines der größten Grubenunglücke mit 350 Toten. Ihnen wird auf dem Ehrenfriedhof an der Ermelinghofstraße mit einem Denkmal gedacht.

1912 ging eine Kokerei in Betrieb und ergänzte fortan das Bergwerk am Standort.

Die Hochphase der Beschäftigtenzahl war 1913/14 mit über 4.000 Kumpel. Zwischen 1941 und 1945 wurde der Betrieb wie in anderen kriegswichtigen Betrieben weitgehend mit Hilfe von Zwangsarbeitern unter unmenschlichen Bedingungen aufrechterhalten.

* Diese Bilder sind eine freundliche Leihgabe aus der Sammlung Sven Ahlemeyer.

Für die Zeche Radbod wurden zahlreiche Bergleute mit ihren Familien rekrutiert. Sie wohnten in Bergarbeitersiedlungen rund um die Zeche. Die Einwohnerzahl der Ortschaften Bockum und Hövel wuchs um das Zehnfache. Die beiden Dörfer wurden 1939 zur Gemeinde Bockum-Hövel. 1975 erfolgte im Rahmen der kommunalen Neugliederung die Eingemeindung nach Hamm.

* Dieses Bild ist eine freundliche Leihgabe aus der Sammlung Sven Ahlemeyer.

In den 1980er Jahren wurde mit der neuen Zeche Donar eine Nordwanderung des Bergbaus von Bockum-Hövel aus bis ins Münsterland in Höhe von Nordick geplant. In 1.030 m Tiefe wurde dafür eine ca. 5 km lange Strecke zum Schacht Radbod 6 aufgefahren. Der Durchstich war 1988. Das geplante Bergwerk Donar ging aber bis zum Ende des Steinkohlenbergbaus in Deutschland im Jahr 2018 nicht mehr in Betrieb.

* Diese Bilder sind eine freundliche Leihgabe aus der Sammlung Sven Ahlemeyer.

1990 wurde auf Radbod die letzte Kohle gefördert und die Zeche stillgelegt. Der Kokereibetrieb endete bereits in den 1970er Jahren.

Heute befindet sich auf dem ehemaligen Zechengelände ein Gewerbegebiet und ein Teil des Lippeparks. In ehemaligen Betriebsgebäuden befinden sich das Kulturrevier Radbod und ein Autohaus. Die drei Fördergerüste und die drei Maschinenhallen prägen den Standort. Sie sind etwas ganz Besonderes für Bockum-Hövel.

Wer sich vertiefen möchte, dem empfehlen wir die Schriftenreihe des Geschichtskreises Zeche Radbod um Heinz Assmann.